7. Oktober 2017 Tabea Lettau 5Comment

Ehrlich gesagt hatte ich anfangs ein komisches Gefühl, als ich mir meine erste Langzeitreise nach Bali vorstellte. Und das, obwohl die meisten, die mir von Bali erzählten, vor Begeisterung nur so sprudelten. Es ist nicht so, dass ich mich nicht gefreut hatte. Ganz im Gegenteil. Doch ich konnte dieses kribbelige Gefühl in meinem Bauch nicht deuten. War es pure Vorfreude? Ein Anflug von Nervosität? Oder vielleicht auch ein bisschen Angst? Einige Wochen begleitete mich dieses Chaos in meinem Bauch. Dann kam der Tag der Konfrontation. Endlich war ich so mutig, mein vertrautes Umfeld zum ersten Mal für längere Zeit zu verlassen und mich in ein unbekanntes zu begeben. Und ich hatte null Ahnung, was auf mich zukommen würde – auf meiner ersten großen Reise.

Am liebsten hätte ich meinen Rucksack gepackt und Bali wieder verlassen…

Ich erinnere mich noch genau, wie holprig mein Start auf Bali war. Schon drei Tage nach meiner Ankunft hätte ich am liebsten meinen Rucksack gepackt und die „Insel der Götter“ wieder verlassen. Am zweiten Tag wurde ich von einem Hund angegriffen. Am dritten Tag nochmal. Ich war noch nie einen Roller gefahren und mein erster Versuch ging dezent in die Hose. Meine Englischkenntnisse waren schlechter, als ich erwartet hatte. Und überhaupt – die neuen Eindrücke waren mehr Stress als Entspannung für mich. Eine Reizüberflutung, die leider statt Entdeckungslust Unwohlsein ausgelöst hatte. Damit wusste ich nicht umzugehen. Aber ich habe meinen Rucksack nicht wieder gepackt. Stattdessen habe ich mir Zeit gegeben. Zum Glück! Denn nachdem ich mich akklimatisiert und in der neuen Umgebung eingefunden hatte, wurde mir eines bewusst: Vielleicht hatte ich einfach zu viel von mir selbst erwartet. Vielleicht hatte ich gedacht, Mut würde reichen. Jetzt weiß ich: Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.

Hatte ich zu viel von mir erwartet?

Ja, ich hatte Angst. Und habe sie noch! In den verschiedensten Situationen. Ich habe manchmal Angst, die Wahrheit zu sagen und schweige dann lieber. Ich habe manchmal Angst, meinen Charakter zu zeigen und verstecke mich lieber. Und manchmal habe ich sogar Angst, dass ich mir selbst etwas vormache. Vielleicht möchte ich jemand sein, der ich einfach nicht bin? Denn ich empfinde mich oft als uninteressant. Hört mir überhaupt jemand zu? Ich zählte schon in der Schule nie zu den „coolen Kids“ – und anstatt das einfach zu akzeptieren, habe ich immer und immer wieder versucht, mich anzupassen. Natürlich erfolglos. Denn egal, wie sehr man versucht, sich zu verbiegen, man strahlt es aus, wenn man nicht authentisch ist.

Ich entwickelte ein Gefühl, das ich in meinem Alltag in Deutschland nicht oft wahrgenommen hatte

Doch es gibt auch immer wieder diese kleinen Momente, in denen ich mich echt fühle. Und als ich zum ersten Mal auf Bali war, habe ich solche Momente öfter erlebt, als jemals zuvor. Ich lernte Menschen kennen, bei denen ich mich nicht zu bemühen brauchte, wer anders zu sein. Wir lachten Tränen, ohne einen Grund zu haben. Manchmal sind wir nachts um 5 Uhr noch in den Pool gesprungen und haben uns die Sterne angeschaut. Wir öffneten nicht einfach nur das eine oder andere Bier, sondern jedes Mal auch unsere Herzen. Wir ließen uns fallen und haben im Moment gelebt. Und dann konnte ich plötzlich einfach loslassen. Stress loslassen. Gedanken loslassen. Ängste loslassen. Ich entwickelte ein Gefühl, das ich in meinem Alltag in Deutschland nicht oft wahrgenommen hatte: Dass ich akzeptiert und geliebt werde, so wie ich wirklich bin. Und für diese Erfahrung bin ich unendlich dankbar. Hätte ich nach den ersten drei Tagen meinen Rucksack gepackt und hätte ich gekniffen, hätte ich diese Erfahrung nicht gemacht. Und vor allem hätte ich die vielen wunderbaren Menschen nicht kennengelernt, die mich für dieses Gefühl sensibilisiert haben.

Angst ist okay!

Deswegen weiß ich jetzt: Schöne Erfahrungen machen zu können, bedeutet manchmal, sich zu überwinden. Dabei ist es völlig okay, auch mal Angst zu haben. Denn Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet nur, dass man sich trotzdem traut. Ich hab mich getraut und gespürt, wie sehr es sich lohnt!

Wovor hast du Angst?

5 Kommentare zu “Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben

  1. Die Bali-Reise steht mir im April nächstes Jahr noch bevor und da es meine erste längere Reise in eine völlig andere Kultur ist, kribbelts da auch schon etwas im Bauch. 🙂

    Aber ich bin da derselben Meinung wie du und halt mich an 2 wichtige Zitate von Susan Jeffers bzw. Tim Ferriss: „Feel the fear and do it anyway!“ & „Das was uns am meisten Angst macht, ist genau das, was wir am dringensten tun müssen.“

    Nicht umsonst sagt man, dass das Leben dort beginnt, wo die Komfortzone endet. 🙂

    LG, Chris

    1. Hey Chris 🙂

      wie cool! Bali ist ein tolles Ziel für die erste längere Reise. Und ich kann dieses kribbelige Gefühl total nachvollziehen – eine Mischung aus Vorfreude und Aufregung. 🙂 Reist du dann alleine?

      LG
      Tabea

        1. Definitiv! 🙂 Wird sicher eine super Zeit! Und falls dir vor oder während deiner Reise noch irgendeine Frage in den Kopf kommt, dann kannst du dich gerne bei mir melden. Versuche dann gerne, dir zu helfen, sofern es mir möglich ist. 🙂

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