25. Februar 2017 Tabea Lettau 19Comment

Zugegeben – die Möglichkeit, von nahezu jedem Ort der Welt als digitaler Nomade arbeiten zu können, hat ihren Reiz, oder? Ich sitze in der Sonne, mit den Füßen im Sand, genieße einen Iced Cappuccino und blicke auf das Meer – natürlich während ich nebenbei ein bisschen auf dem Laptop rumtippe. Beneidenswerte Vorstellung, oder? Keine Sorge,  aus dieser Illusion werde ich dich jetzt herausreißen.

Von Hipstern & eisgekühlten Kokosnüssen

Als ich das erste Mal in den Flieger nach Bali gestiegen bin, dachte ich „Wow, jetzt probiere ich mich als so genannter digitaler Nomade aus!“. Aber was heißt das denn eigentlich – digitaler Nomade?

An was denkst du, wenn du das Wort „digitaler Nomade“ hörst? An Hipster, die mit eisgekühlten Kokosnüssen am Strand liegen und nebenbei ihr Online-Business rocken? Oder an vegane Fashion-Victims, die mit ihrem Soy-Latte ein Selfie schießen und über ihre 20.000 Follower auf Instagram Geld verdienen? Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen: Ich schätze, solche Menschen bilden die Minderheit der „digitalen Nomaden“-Szene.

Auf den Gedanken, am Strand zu arbeiten, bin ich ehrlich gesagt erst gar nicht gekommen. Ganz davon abgesehen, dass man in der prallen Sonne auf dem Bildschirm einfach mal gar nichts sieht, freuen sich mein Laptop und Smartphone über die Kombi aus Sand und Wind eher weniger.

Orte mit Bürostühlen – ein Segen!

digitaler Nomade Coworking Space Ubud bin.reisenBei meiner ersten Reise nach Bali habe ich oft in Cafés oder im Hotel gearbeitet. Das war okay. Und auch jetzt nutze ich diese Möglichkeiten noch für zwischenzeitliche Abwechslungen. Dennoch ist die Atmosphäre eines Cafés für Aufgaben, bei denen ich eine hohe Konzentration aufbringen muss, nicht optimal. Man ist einfach schnell abgelenkt und muss sich immer wieder neu fokussieren. Nachdem ich dann zum ersten Mal in einem Coworking Space in Ubud war, habe ich gespürt, was mir vorher fehlte: ein ORDENTLICHER Bürostuhl!!! Du glaubst gar nicht, wie anstrengend es nach 2 – 3 Stunden wird, auf unbequemen und harten Holzstühlen zu sitzen. Die – mehr oder weniger vorhandenen – Pomuskeln machen sich irgendwann bemerkbar. 😀 Also war für mich schnell klar: Auch wenn Coworking Spaces teilweise was teurer sind (für 30 Stunden Internet-Zeit habe ich im Hubud in Ubud knapp 60,-€ bezahlt) – es lohnt sich! Mein Hintern und meine Konzentrationsfähigkeit danken es mir.

Übrigens habe ich den Strand auf Bali erstmals nach 3 Wochen gesehen. 😀

„Du bist doch nicht zum Arbeiten nach Bali geflogen?!“

… „Hm, doch, bin ich!“ – lautet meine Antwort auf diese verwunderte Aussage, die ich tatsächlich mehr als ein Mal gehört habe. Während meiner Zeit auf Bali ist meine Produktivität sogar um ein Vielfaches gestiegen: Ich arbeite im Regelfall sieben Tage die Woche an meinen Projekten – und zwar intensiv. Vielleicht liegt es daran, dass ich hier viele Leute kennenlerne, die in derselben Situation sind wie ich; die mit Herzblut und Motivation an ihren eigenen Projekten arbeiten. Meistens lerne ich solche Leute in Coworking Spaces kennen.

Mein Antrieb, ein digitaler Nomade zu sein

Ich möchte reich sein! Reich an Erfahrungen, an Freundschaften und an Stempeln in meinem Reisepass. Und der größte Reichtum ist für mich, frei und unabhängig zu sein. Dabei spielt der Ort selbst keine Rolle, sondern nur DASS ich ortsunabhängig bin. Ob nun Deutschland oder Bali. Mein Antrieb ist es, das zu machen, was ich liebe. Klingt natürlich erst mal super: Wenn ich nur das mache, was ich liebe, wird es theoretisch nie anstrengend, langweilig oder demotivierend, oder? Nun ja, Theorie ist eben nicht gleich Praxis. Jeder, der eine Leidenschaft hat, der weiß, dass auch die größte Liebe Arbeit erfordert. Und dass es neben guten Zeiten auch schwierige gibt. Das gehört dazu.

Hast du auch eine Leidenschaft oder eine Idee für ein eigenes Projekt?

19 Kommentare zu “Strand vs. Bürostuhl: Was treibe ich als digitaler Nomade auf Bali?

    1. Vielen Dank! 🙂 Ich habe festgestellt, dass sich viele einfach nicht vorstellen können, wie mein Tag hier auf Bali aussieht. Daher wollte ich mit diesem Text für Klarheit sorgen.

  1. Ein wundervoller Bericht.
    Ich bin gerade etwas verliebt in den Gedanken in Bali am Laptop zu sitzen. Ich finde es super wie du dir das selber ermöglichst und auch mal andere Arbeitsmodelle vorstellst.
    Wirklich ein cooler Blogbeitrag und nun muss ich mir die anderen Beiträge ansehen

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

    1. Hallo liebe Anni,

      danke für deinen schönen Kommentar! Freue mich, dass dich mein Blog-Text inspiriert. 🙂 Überlegst du, auch mal nach Bali zu fliegen?

      Liebe Grüße
      Tabea

    1. Hey Mario 🙂

      yeah!! Freut mich, dass dich mein Text animiert, auch die Koffer zu packen.
      Lass es mich wissen, wenn es bei dir losgeht. 😉

      Tabea

  2. Cooler Artikel! Bali steht bei mir nächstes Jahr wohl auch mal auf dem Programm. Ich glaube auch, dass ich ohne Bürostuhl nicht wirklich über längere Zeit produktiv sein kann.

  3. Zum Glück spricht ENDLICH mal jemand diese Bürostuhl-Sache an! Ich arbeite seit 5 Jahren im Homeoffice und jedes Jahr packt mich wieder der Rappel im Sommer und ich versuche dieses „auf der Terrasse arbeiten“. Bis ich endlich das Laptop verkabelt habe (normal arbeite ich oldschool mit einem fest installierten Mac), die Bildschirmhelligkeit gefunden habe und 3x Dinge aus dem Büro im 1. Stock geholt habe, bin ich in der Regel völlig verschwitzt. Dann versuche ich alles so zu platzieren, dass die Maus bequem in der Hand liegt – ohne, dass die Tischkante in den Unterarm sticht. Irgendwann geht mir auf, dass das an dem zu niedrigen Gartenstuhl liegt der eigentlich sehr bequem ist – aber eben mehr zum lümmeln als zum arbeiten. Meist ist das der Punkt, an dem ich genervt aufgebe und mich wieder in mein Büro verziehe. Da hat alles seine Ordnung und seinen Platz und ich kann einfach nur das tun, was ich möchte: Arbeiten.

    Mit 2 Hunden werde ich es vermutlich sowieso nie nach Bali schaffen und zum arbeiten wäre es mir da glaub ich auch zu warm. Und ob ich als Einsiedlerkrebs dauernd Menschen um mich zum arbeiten haben mag bezweifle ich auch. Daher ist das gar nicht so mein großes Ziel. Ortsunabhängig arbeiten kann ich zwar durchaus, dann aber bitte mit einem bequemen Stuhl 🙂

    Liebe Grüße
    Susanne

    1. Liebe Susanne,

      du sprichst mir aus der Seele! 😀 Habe es auch mehr als ein Mal versucht, im Garten zu arbeiten. Nach spätestens 2 Stunden habe ich aber immer aufgegeben. Die Tischkante im Unterarm kenne ich nur zu gut. Und jetzt stelle man sich das Ganze mal am Strand vor: no way!

      Und ob Einsiedler oder nicht, ob reisebegeistert oder heimatverbunden – jeder fühlt sich in einer anderen Situation wohl und das Wichtigste ist, dass man glücklich ist.

      Danke für deinen Kommentar, der mich zum Schmunzeln gebracht hat. 🙂

      Liebe Grüße
      Tabea

    1. Vielen Dank! 🙂 Freut mich, dass dir der Bericht gefällt.
      Habe auf eurer Webseite gesehen, dass Bali auch noch auf eurer Reise-Liste steht. Wisst ihr schon, wann ihr hier her wollt?

  4. Ein schöner Artikel 🙂
    Ich bin auch gerade auf dem Weg zum ortsunabhängigen Arbeiten, möchte mich gerne als Texterin und Textberaterin selbstständig machen. Bali reizt mich als Reiseziel sehr! Daher finde ich deine Gedanken super hilfreich. Als was arbeitest du denn zur Zeit bzw. womit verdienst du dir deine Smoothie Bowls 😛

    Liebe Grüße,
    momentan noch aus Deutschland

    1. Hey Linda,
      ach, wie witzig! Dann können wir uns wohl bald austauschen! 😉 Denn ich bin selbstständige Texterin. Wenn du magst, kannst du mal auf meiner Webseite vorbeischauen: http://www.tabea-lettau.de
      Bali ist als Reiseziel echt super, wenn du das ortsunabhängige Arbeiten ausprobieren möchtest. Habe aber auch gehört, dass Chiang Mai ein heißer Sport für Digitale Nomaden ist. Dort soll es wohl auch günstiger sein als auf Bali.

      Melde dich gerne, wenn es bei dir konkreter wird oder wenn du Fragen hast (auch bzgl. der Texterei).

      Liebe Grüße
      Tabea

  5. Hallo Tabea, war gerade an beiden Orten Ubud/ Bali und Chiang Mai/ Thailiand.
    Beide Orte leibe ich sehr. In Thaliand gibt es noch Pai was scheinbar ein Ort für Dig. Nom. ist.
    Ich denke die Kosten der Coworking areas – siehe Link Chiang Mai unten ist vergleichbar aber …

    Chiang Mai:
    http://www.punspace.com/

    … generell empfinde ich Bali günstiger als Thailand. Preis/Leistung bei Unterkünften, Essen, Getränke, Massage etc. und obwohl ich Thailand liebe empfinde och die Menschen freundlicher auf Bali.
    April 2018 – Dorothee

    1. Hey Doro 🙂
      In Chiang Mai war ich vergangenen Winter für 4 Monate und musste mit dem Ort erst warm werden. Hab mich dort nach einigen Tagen auch wohlgefühlt, allerdings ist Bali immernoch meine Nummer 1. Habe auch denselben Eindruck wie du: Auf Bali empfinde ich die Menschen freundlicher und aufgeschlossener.

      Danke für den Link zum Coworking-Space in Chiang Mai. Ein paar Bekannte waren dort öfter. Ich habe jedoch das Heartwork bevorzugt. 🙂 Ein Coworking Space, bei dem man keine Mitgliedschaft abschließen muss, sondern sich einfach einen Kaffee kauft und dann für 3 Stunden Internet-Zugang bekommt.

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